Mittwoch, 13. Januar 2016

#RUNWAY: FOREVER // LCFMA16 // LONDON COLLECTIONS MEN A/W 2016



wie ich bereits letzte woche mittwoch vor meiner reise nach london angekündigt hatte,
durfte ich die fashion show der london college of fashion 'fashion design technology menswear'-master absolventen besuchen.
und wie auch nicht anders zu erwarten war die show wirklich stark.
es wurden die kollektionen der zehn besten graduates vorgestellt, ausgewählt durch ein branchen-gremium.
die zehn designer waren in show-reihenfolge: bethany williams, ziqing zhou, jeuken cho, alexis housden, jinhaili, victor pao, grant-james povey, pakholee, xiaozhou su und peng chen.
im folgenden möchte ich euch die vorgeführten kollektionen kurz vorstellen.


BETHANY WILLIAMS
bethany williams kollektion startete die runway show mit einem knall. nachhaltigkeit ist das große thema.
strahlende farben bilden muster auf gedeckten materialien wie bast und leinen und verweisen auf lebensmittelverpackungen.
als kämen die models frisch aus den kühlregalen der britischen supermarktkette tesco.
mir gefallen besonders die großen jacken aus bast mit ihren fransigen nähten und die dick bestickten patchwork jeans-teile.







ZIQING ZHOU
asymmetrie trifft auf schneiderhandwerk. ziqing zhous master-designs spielen mit den dimensionen des traditionellen tailorings.
die models tragen nadelstreigen outfits in kombination von hell- bis dunkelblau.
ein hosenbein ist mal lang, das andere kurz; das gleiche spiel auch bei den sakko- und mantelfronten.
die anzüge sind gerade und luftig geschnitten und erinnern eher an kleider und roben als an arbeitsuniformierung.
passend zum dekonstruierten anzug tragen die models neben nadelstreifen-derbies auch schnürrballerinas.
der uniform wird das uniforme genommen.






JEUKEN CHO
die dritte kollektion lässt die farbpalette explodieren. leise farben gehören wohl nicht zu jeuken chos inventar.
türkis, rot und gelb strahlen konkurrierend dem publikum in großen geometrischen formen mustern, die an lavalampen und rorschachtest erinnern, entgegen.
ebenso groß wie die formen und farben der kuscheligen stoffe sind auch die kleidungsstücke an sich geschnitten.
die mouthpieces aus händen von schaufensterpuppen erinnern mich an shayne olivers aktuelle hood by air kollektionen.
bigger is better. mein favorit: die übergroßen pullover mit ihren psychedelischen strickmustern.






ALEXIS HOUSDEN
alexis housden weiß silhouetten zu schaffen, die wie eine zweite haut sitzen.
betonte passformen, rosa-, weiß- und blautöne sowie durchsichtige
und mit glitzersteinen besetzte stoffe lassen geschlechtergrenzen verschwinden.





JINHAILI
jinhailis looks sind alle unifarben. die einzelteile eines jeden outfits unterscheiden sich nur in nuancen.
alle models wirken durch zensurbalken-ähnliche sonnebrillen anonym wie die anzugträger im treiben großer bankenstädte.
gleichzeitig erinnern mich die brillen an laufende filmrollen, die den trägern eine fremde realität aufzwingen.
die kollektion beginnt ebenfalls mit der dekonstruktion klassischer anzüge.
ärmel werden durch überhängende seidenraffungen verdeckt, stoffe glitzern im licht, lockere hosenstoffe verweisen auf tanzwettbewerbe.
dann wandelt sich das konzept. kimonos und drapierte mäntel nehmen dem tailoring das konventionelle.




VICTOR PAO
bereits beim ersten look fühle ich mich zurückversetzt in die zeit von seidenpapier, bastelscheren, und lampions.
victor paos kleidungsstücke sind selten aus nur einem stoff gefertigt sondern meist aus mehreren verschiedenfarbigen bahnen zusammengenäht,
wie meine fransigen collagen, die sich meine mutter früher in die küche hängte.
ich denke an rolf zuckowskis vogelhochzeit, ausmalen und pritt stift. so schnell so viele tolle gefühle. danke victor pao.





GRANT-JAMES POVEY
grant-james povey kombiniert themen, die kaum gegensätzlicher sein könnten.
einerseits zeigt seine kollektion zeichen von militanz und weltuntergangsstimmung.
weiße capes sind mit kaputzen und mundschutz versehen, die kaum mehr als die augen freilassen und sicherheit in polargebieten spenden.
die models tragen alle dr. martens in revolutionärem rot.
andererseits ziehen seine anfertigungen den betrachter geradezu aggressiv zurück ins heimische und höfische.
viele teile sind mit rüschen versehen und das masterpiece der kollektion ist eine over-over-oversize winterjacke über und über mit perlen besetzt,
die an dekadente hotelbetten, chanel und auch ein bisschen an harald glööckler erinnert.





PAKHOLEE
pakholees kollektion zeigt haut. jeder look präsentiert freie sicht auf was darunter liegt.
anzüge aus durchscheinenden stoffen wechseln sich ab mit jacken und hosen, bei denen die cut-outs so groß sind,
dass die einzelnen schnittteile so wirken als würden sie gleich vom körper fallen.
aufreizend und doch verhüllend. für herbst/winter womöglich ein wenig unpraktisch wegen durchzug,
doch die lederjacke würde mir auch an mir gefallen (über einem dicken pullover).





XIAOZHOU SU
colour blocking in neuem kleid. xiaozhou sus entwürfe bestechen durch ihre klarheit.
zwei farben sind jedem look zugeordnet und bilden neue (uni-)formen fern von alltäglichkeit.
ich denke an miami vice, clownerie, spielfiguren und vasen.
der träger verschwindet hinter einer neuen silhouette, wird zum kunstobjekt, wie in oskar schlemmers triadischem ballett.




PENG CHEN
großwildjagd, insekten, der glöckner von notre-dame sind die ersten dinge,
die mir in den sinn kommen bei der letzten und wohl auch eindrucksstärksten kollektion der lcfma16.
peng chen präsentiert überdimensionale puffer-jackets, die die models wie wolken verschlingen oder wärmende buckel wachsen lassen.
farblich passend dazu tragen die models gemusterte ein- und zweiteiler, die auf mich sehr bequem und irgendwie auch beruhigend wirken,
und große hüte, die das gesicht verdecken und auf thom browne verweisen.
peng chen steht für mode fern von konfektionsgrößen. die kleider sollen jedem passen, egal ob fett oder dürr.
nicht schwer zu glauben bei den formfremden daunenjacken. der ansatz imponiert mir.
einmal lumpy space princess für nächsten winter sein.. bitte danke.






xy

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